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Inhalt
des Heftes 118 (März 2025)
3 – 5
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Theaterpreisverleihung:
Ich bin dann Er
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6 – 8
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Willi Bode und Martin
Hentrich:
Uralte und markante Bäume im Harz und in seiner Umgebung |
9 – 13
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Martin Shaw:
Das Erbe von Albrecht III., Bischof von Halberstadt
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14 – 15
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Rüdiger Giesecke:
Langeln und die Römer
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16 – 17
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Winfried Hentrich:
Der Botenhund von Heudeber und Athenstedt
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18 – 19
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Erich Gustus:
Halberstadt und der Deutschlandflug 1911
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20 – 24
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Martin Hentrich, Ingeborg
Schütt und Barbara Grave:
Edmund Mock – Autor des „Mordsteins“
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25 – 31
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Antje Gornig und Simone
Bliemeister:
120 Jahre Städtisches Museum Halberstadt – Teil 1
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32 – 35
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Hans-Ulrich und Ilona
Kison:
Die Rot-Eiche ist Baum des Jahres 2025 – ein Situationsbericht
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36 – 37
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Volker Bürger:
Der Holzmarkt in Halberstadt
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38 – 40
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Das Halberstädter Requiem
von Georg Faulhaber
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41 – 45
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Ingo Wetzel: 150
Jahre Freiwillige Feuerwehr Halberstadt
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46 – 52
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Gerald Eggert und Hans-Jürgen Speidel:
Ein Halberstädter komponierte Schottlands heimliche Nationalhymne
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53
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Bücherschau:
August Hesse: Tillys Quartier. Erzählung aus Halberstadt im Jahre 1631
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54
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Bücherschau:
Stephan Freund, Simon Groth,
Christoph Mielzarek (Hrsg.):
Zu Gast beim Bischof. Halberstadt als königlicher Aufenthaltsort im
frühen und hohen Mittelalter
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55
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Bücherschau:
Thomas Dahms und Alexander Pavlenko:
O wie Osterwieck
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Auszug des Beitrags "Der Botenhund von Heudeber und Athenstedt"
Mitgeteilt von Winfried Hentrich (Rechtschreibung der Zeit!)
Wenn man so will, waren
Brieftauben der Anfang der Luftpost. Es war vor der Erfindung von
Telegraphie und Telephonie die einzige Möglichkeit, Informationen
schneller zu übermitteln als durch einen Boten. Zudem konnten zu
Kriegszeiten Tauben Nachrichten auch ohne Aufsehen über feindliche
Stellungen hinweg transportieren. Dazu mussten sie allerdings zuvor vom
gewünschten Zielort herbeigeschafft sein, was naturgemäß schwierig war.
Es ist somit nicht schwer zu verstehen, dass man versuchte, sich auch
andere Tiere zur Übermittlung von Nachrichten zunutze zu machen. In
einem Brief an die Herausgeber der „Neue gemeinnützige Blätter“ aus
Halberstadt wird 1795 geschildert, wie sich ein Ackermann eines Hundes
zur Nachrichtenübermittlung bediente.
Es ist hier in Heudeber ein
Ackermann Namens Michael Wesche, der sowohl hier, als in Athenstedt,
ohngefähr anderthalb Stunden von hier, einen Hof besitzt. Den letzteren
hat er seinem Sohn übergeben. Ehe dieser seine vollen Jahre erreichte,
wurde der Hof von einem Hofmeister und seiner Schwiegermutter
verwaltet. Doch behielt er sich die Oberaufsicht darüber vor. Nun wird
es ihm sehr beschwerlich gewesen seyn, so oft hin und her zu reisen.
Damit er dies also nicht nöthig hatte, und doch der Athenstedtische Hof
nicht versäumt würde, so ersonn er sich folgendes Mittel, welches
zugleich von der Gelehrigkeit und Klugheit der Hunde zeugt.
Er richtete sich nemlich einen
Hund ab, der ihm Briefe von hier nach Athenstedt und von dort wieder
hierher zurückbringen mußte. Zu dem Ende hatte er ein Halsband, worein
Briefe und Sachen gesteckt werden. Sobald der Hund dies sieht, so weiß
er schon Bescheid. Der Brief, oder was ihm mitgegeben werden soll, wird
hineingesteckt, das Band dem Hund um den Hals geschnallt, er bekommt
ein Butterbrod, und wird nun vom Hofe zur Hinterthür hinausgebracht,
von wo man sogleich ins freie Feld kommt. Hier wir ihm die Peitsche
gezeigt: auch bekommt er gelegentlich einen Hieb, wenn er nicht fort
will; doch dies ist selten der Fall. Nun marschiert er nach Athenstedt;
nicht auf dem Wege, sondern durch Wiesen und Kornfelder geradezu. Kommt
er in Athenstedt an, und kann nicht auf den Hof, so winselt er; hört
man dies, so kennt man seine Stimme schon, und läßt ihn herein, nimmt
das Halsband ab, und behält ihn nun so lange hier, bis er wieder nach
Heudeber geschickt werden soll. Alsdann wird gerade so, wie hier, mit
ihm verfahren.
Er ist ein hurtiger Bote, denn
er kann in anderthalb, höchstens zwei Stunden, den Weg hin und her
zurücklegen. Auch die Jäger kennen ihn, und lassen ihn frey passiren.
Er hat schon Geld und andre Sachen weggetragen, und richtig
überliefert. Unterwegs läßt er sich von Niemandem angreifen oder
locken, sondern geht seinen geraden Weg immer fort. Es ist übrigens
nicht der erste Hund, den der Mann dazu abgerichtet hat; noch bis jetzt
besitzt er einen, der dies Geschäft verrichtet, und an manchen Tag
mehrmals die Reise machen muß.
Dies ist die Geschichte.
Scheint sie gleich etwas unglaublich, so ist sie doch ungezweifelt
wahr; und ich hab’ es selbst öfter gesehn, wie der Hund von hier
weggeschickt worden, und von Athenstedt wieder angekommen ist.
G. Frantz, Heudeber, den 25. August 1795
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